Absturz kurz nach Börsengang: Steilmann ist insolvent

Nur wenige Monate nach dem Sprung auf das Parkett ist der Modehersteller Steilmann insolvent. Die ebenfalls zu Steilmann gehörenden Adler-Modemärkte sind wohl nicht betroffen. Bislang erfolgversprechende Sanierungsverhandlungen hätten nach Ausführungen des Managements nicht zum Ziel geführt.
Die Steilmann-Aktie brach gleich in den ersten Handelsminuten ein und fiel bis auf EUR 0,29, ein Kursverlust von annähernd 90 Prozent. Auch die drei Steilmann-Anleihen dürften erheblich unter Druck geraten.

Erst im November 2015 unternahm Steilmann den Sprung auf das Parkett – mit einem Fehlstart. Steilmann wollte ursprünglich knapp EUR 100 Millionen über den Börsengang einnehmen, um das geplante Wachstum zu finanzieren und die Mehrheit an der börsennotierten Modekette Adler zu übernehmen. Doch die Nachfrage nach Steilmann-Aktien war schwach und das Unternehmen musste sich mit EUR 8,8 Millionen begnügen. Man zog die Börsennotiz dennoch durch, um sich „strategische Optionen“ offen zu halten.

Nun stellt sich die Frage, ob die finanzielle Situation nicht damals schon erkennbar gewesen ist. Mitte Dezember hatten sowohl Steilmann wie auch Adler ihre Prognosen kassiert und begründeten die Gewinnwarnungen mit den schwachen Geschäften infolge des milden Winterwetters.

Anmerkungen FINLEX:
Anleger werden sich aufgrund der jüngsten Entwicklungen und den verheerenden Kursverlusten sicherlich den damaligen Börsenprospekt auf mögliche Falschangaben genauer anschauen und entsprechende Ansprüche prüfen. Ob eigens für den IPO bzw. die Anleihen eine Prospekthaftungs-Versicherung abgeschlossen wurde, kann bei dem geringen Emissionsvolumen und den schlechten Vorzeichen nicht unterstellt werden. Ebenfalls wird aber der Insolvenzverwalter die damaligen Geschehnisse im Rahmen möglicher Schadenersatzansprüche gegen das Management untersuchen. Hoffentlich ist dieses durch eine ausreichende D&O-Versicherung abgesichert.