Euroforum Haftpflicht 2020 – ein Nachbericht

Euroforum Haftpflicht 2020

Euroforum Haftpflicht 2020 – ein Nachbericht

Am 21.01. und 22.01.2020 fand eines der wichtigsten Branchentreffen des D&O-Marktes in Hamburg statt: Das Euroforum Haftpflicht 2020. An dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön an die Organisatoren und die Möglichkeit, zusammen mit Markel die InsurTech-Lounge zu unterstützen.
Die insgesamt sehr gelungene Veranstaltung hatte ein starkes, abwechslungsreiches Programm zu bieten. Die Moderatoren wussten gekonnt und unterhaltsam im richtigen Moment bei den Protagonisten auf der Bühne nachzubohren und befeuerten somit die mitunter hitzigen Diskussionen der Vertreter aus Industrie, Maklerschaft und Assekuranz. Dabei wurden zahlreichen interessante und aufschlussreiche Aussagen getätigt, die die Herausforderungen der Sparte offenlegen.

Mit etwas Abstand sind uns vom Euroforum Haftpflicht einige Dinge in Erinnerung geblieben, die wir gerne kommentieren möchten.

 

Kaum Prämienbewegung im Mittelstand

 

„Nun kommen Beitragsanpassungen für alle?!?“ Mit dieser Aussage hat das Versicherungsjournal im Nachgang zu der Veranstaltung die Gesprächsrunde zum Thema Preisbewegung in der D&O überschrieben. Zu den Preiserhöhungen, mit denen sich Großkunden schon seit dem Vorjahr auseinandersetzen müssen, kämen diese Bewegung jetzt auch im Mittelstand an, so die Aussage eines Maklervertreters. Das können wir so nicht bestätigen. Im Gegenteil, nach Auswertung der Ergebnisse von ca. 1.500 Kundenverbindungen im Mittelstandsbereich (Umsatz bis EUR 100 Mio. und einer Versicherungssumme von max. EUR 10 Mio.) auf unserer Plattform sind die Preise nahezu unverändert geblieben. Für exponiertere Risiken und Kunden in wirtschaftlich schwierigen Situationen können wir bestätigen, dass es schwierig sein wird, weiterhin einen adäquaten D&O-Versicherungsschutz zu bekommen.

Die Diskussionen auf dem Euroforum wurden dominiert von der Preisdiskussion, insbesondere die Zahlen des GDV sorgten hier für eine angeregte Debatte. Aus unserer Sicht ist die Debatte leider etwas zu eindimensional geraten und wir hätten uns gewünscht, wenn andere Herausforderungen der Branche ähnlich intensiv behandelt worden wären.

 

Kopplung der Prämien an den Umsatz würde den deutschen D&O-Markt überfordern

 

Eine andiskutierte Idee war die Koppelung der Prämie an den Umsatz der Kunden.  Das ist jetzt keine wirklich neue Erfindung, denn wir kennen diese bspw. bereits seit jeher aus der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung. Es erscheint auf den ersten Blick nur fair, wenn Kunden mit steigenden Umsätzen auch höhere Prämien bezahlen. Doch steigt auch das D&O-Risiko zwangsläufig mit höherem Umsatz? Denn nur das könnte ja als Rechtfertigung dienen. Wir wissen, dass D&O-Versicherer dies im Mittelstand unterschiedlich sehen. Auf unserer Plattform, die zur Preisfindung u.a. mit Umsatzbändern arbeitet, ist die Bandbreite an Reaktionen der Versicherer auf steigende Umsätze durchaus unterschiedlich. Es gibt Versicherer, die keine Reaktion auf steigende Umsätze zeigen, während wiederum andere bis zu 30% Aufschlag für das höchste Umsatzraster veranschlagen.

Die Einführung von reinen Umsatztarifen ohne technische Unterstützung würde die D&O-Sparte zur jetzigen Zeit auch überfordern. Neue Tarife müssten geschaffen werden, sind aber sicher machbar. Vielmehr bezweifeln wir, dass die Versicherer die Administration über jährliche Umsatzabfragen mit allen nachgelagerten Dokumentierungsaufgaben, wie Nachtragserstellung oder korrekte Rechnungsstellung, bewerkstelligen können. Ein Chaos wäre vorprogrammiert und die Mehrkosten würden die Mehrprämie wieder aufbrauchen. Win-Win sieht anders aus.

Versicherer können auf unserer Plattform z.B. auf Marktbewegungen durch Änderungen des Zeichnungsverhaltens auf Portfolioebene sofort reagieren.

 

Qualität definiert sich nicht nur über das Bedingungswerk

„Vor langer Zeit hat mich Ben Graham gelehrt: ´Preis ist, was du zahlst und Wert ist, was du kriegst.´ Ob wir über Socken reden oder Aktien, ich bevorzuge es, Qualitätsware zu kaufen, wenn die Preise günstig sind.

Das sagte einst Warren Buffet. Das ist gut aus Sicht des Einkäufers, aber auch nur dann, wenn er die Qualitätsware sofort bekommt. Ist das Gut eine Dienstleistung oder ein Leistungsversprechen, welches über einen unbestimmten Zeitraum in der Zukunft erbracht wird, ändert sich die Sachlage. Ein breites D&O-Bedingungswerk beeinflusst den Kunden bei seiner Kaufentscheidung, überzeugt (oder böse überrascht) vom Wert wird er allerdings, wenn er das Service- und/oder Leistungsversprechen einlösen möchte (oder muss).

 

Sinkendes Serviceverhalten der Versicherer

 

Genau deshalb war ein weiterer Diskussionspunkt auch das Serviceverhalten der Versicherer. Maklervertreter haben mit Sorge, nach unserem Dafürhalten zurecht, das sinkende Servicelevel im D&O Umfeld beschrieben. Vertreter der Versicherungsbranche entgegneten indes damit, dass guter Service bei den momentanen Marktpreisen, die als zu niedrig angesehen werden, nicht mehr vernünftig zu erbringen sei und verwiesen zur Untermauerung ihrer These auf die veröffentlichten Zahlen des GDV.  Somit wären wir auch beim Thema, denn neben der Leistung im Versicherungsfall ist das laufende Serviceversprechen des Versicherers für die Kunden ebenso ein wichtiger Faktor. Die GDV-Zahlen wurden von Vertretern der Maklerseite stark hinterfragt, da sie als nicht sehr transparent gelten. Man hat hier lediglich drei Kennzahlen veröffentlicht, die das Gesamtbild nicht repräsentativ wiedergeben.

Das Serviceproblem allein mit der Preisfrage zu argumentieren bzw. lösen zu wollen, halten wir für zu kurz gedacht. Underwriter sind gezwungen, jeden Tag aufs Neue zu priorisieren. First come, first serve und somit eine Gleichbehandlung der Partner wäre zwar fair, ist allerdings nicht möglich. Wie wir finden, werden die Interessen des Kunden dabei vernachlässigt.

Der Kunde kommt bei diesen Diskussionen zu kurz. Das sinkende Servicelevel und die damit einhergehende Überlastung der Versicherer, aufgrund der Vielzahl an manuellen Anfragen, wirft einige Fragen auf, die nach unserem Verständnis in der Diskussion gänzlich gefehlt haben. Nämlich die Einbindung von Tools, die eine effiziente Bearbeitung der Anfragen gewährleisten. Das geht nur, wenn man sich mit den neuen Möglichkeiten, die moderne Technologie bietet, entsprechend auseinandersetzt.

 

Preiserhöhungen als Allheilmittel

 

Die geforderten Preiserhöhungen werden die Probleme der Branche dabei nach unserem Dafürhalten nicht allein lösen. Natürlich muss der Kunde für gute Leistungen einen angemessenen Preis zahlen. Das muss aber differenziert betrachtet werden und der pauschale Wunsch nach flächendeckender Preiserhöhung kann nicht die Lösung sein. Die Diskussion über Möglichkeiten zur effizienteren Gestaltung und somit Kostensenkung ist jedoch ausgeblieben. Hierfür bringt im Wesentlichen die Digitalisierung neue Chancen hervor, die noch ungenutzt bleiben. Diese wurde hierbei jedoch eher als ein Kostenblock auf der Bilanzseite der Versicherer beschrieben. Das zeigt deutlich wo wir uns als Branche grade befinden.  Ok, als InsurTech können wir das natürlich so auch nicht stehen lassen. Es braucht Investitionen und den Mut sowie das Ausprobieren neuer Ideen und Wege, um die Probleme an der Wurzel zu packen und neue Möglichkeiten zu nutzen. Hier muss ein Umdenken stattfinden.

Das verursacht zwangsläufig Kosten, ist aber eine Investition in die Zukunft.

Kunden verdienen Transparenz und den bestmöglichen Service. Kunden werden nicht länger akzeptieren, monatelang auf die Ausstellung einer Police zu warten oder an offene Anfragen mehrmals erinnern zu müssen.

Gleichwohl verstehen wir auch unsere Ansprechpartner bei den Versicherungsunternehmen. Wir sprechen hier mit qualifizierten und erfahrenen Kollegen, die gerne besseren Service bieten würden, es ist allerdings schlichtweg nicht können.

 

Frage nach der Digitalisierung des Underwritings

 

Wir haben unsere Plattform im Rahmen einer Live-Demo auf der Bühne präsentiert. Im Nachgang zu dieser gab es noch eine Podiums-Diskussion zum Thema Digitalisierung der D&O-Branche und u.a. die Frage an uns, ob wir den Underwriter somit digitalisieren wollen. Diese Frage amüsiert uns mittlerweile.

Unsere Antwort: Wir wollen alte Denkweisen und Wege verändern, aber den „Incumbents“ auch helfen diesen Weg zu gehen. Wir verstehen uns an der Stelle als Supporter der Etablierten und Revolutionär alter Strukturen.

Ein Underwriter, der Policen abändert, weil die Anschrift der Kunden sich geändert hat oder eine Deckungssummenerhöhung von EUR 3 Mio. auf EUR 5 Mio. angefragt wurde, wird der Jobbezeichnung eines Akademikers im Risikomanagement, zumindest wie wir sie uns vorstellen, nicht gerecht. Dafür kann er aber nichts, sein Arbeitgeber aber sehr wohl.

Die Frage ist also nicht, ob wir den Underwriter digitalisieren wollen, sondern welche Tätigkeiten sollten das Jobprofil des Underwriters von morgen füllen. Nicht nur, um den Underwriter zu entlasten und somit mehr Zeit für sinnvollere Dinge zu schaffen, sondern auch um als Branche für den Nachwuchs interessant zu bleiben. Insbesondere das ist ein Problem, auch wir haben mehrere offene Stellen zu besetzen, können dies aber nicht.
Wir haben viele Daten und Zahlen, welche wir nutzbar machen müssen, um die Jobs von heute an die zunehmend digitalisierte Welt anzupassen. Wir müssen Underwriter von kleinteiligen Tätigkeiten befreien und sie zu Portfolio Managern ausbilden. Dies gilt sowohl für das Neu- als auch für das Bestandsgeschäft.

 

Nur so werden wir wieder die notwendigen Ressourcen schaffen, die

  • einen adäquaten Service und weiterhin wettbewerbsfähige Prämien im Mittelstandsgeschäft sowie
  • mehr Zeit für individuelles Underwriting von komplexen Risiken

ermöglichen.

 

Dann können wir uns wieder mehr auf das konzentrieren, was wirklich auf einer solchen Veranstaltung diskutiert werden sollte: Wie können wir Mehrwert beim Kunden schaffen!

 

FINLEX – den Kunden im Fokus – mit Mehrwerten für Makler und Versicherer

 

Über unsere Plattform können Versicherer ihr Underwritingverhalten automatisieren und jederzeit anpassen. Dadurch entlasten wir das Underwriting spürbar und verbessern den Service für unsere Kooperationspartner, die in Minuten eine Ausschreibung abschließen können. Die Kosteneinsparungen werden an Kunden direkt durch weiterhin sehr wettbewerbsfähige Prämien für D&O-, Cyber- und demnächst auch Strafrechtsschutz-Produkte weitergegeben.

Unsere Kunden erhalten wenige Minuten nach der Deckungsbestätigung, die dazu gehörigen Policen- und Rechnungsdokumente. Mit Einführung unserer neuen Portfoliofunktion, erfolgt das Renewal für den Versicherer zukünftig auf übergeordneter Portfolio-Ebene. Gleichzeitig werden viele unterjährige Geschäftsvorfälle digitalisiert und beschleunigt.