FINLEX bietet Unternehmen in 32 Branchen spezialisierte Policen an

Frankfurt. In einem Loft im Erdgeschoss eines Hinterhofhauses im Gutleutviertel liegt das Büro. Hier werden maßgeschneidert für große Konzerne Risiken eingeschätzt und in Versicherungspolicen gegossen. Von einem Team aus vier Gründern und zwei Mitarbeitern. Ob man sich da nicht fühle wie David neben Goliath? Sebastian Klapper, der Geschäftsführer des Insure-Tec-Start-up FINLEX, lacht: „Wir sind eben die Spezialboutique“, erklärt der 32-Jährige. „Wir versuchen, das Risiko des Kunden zu verstehen und den Versicherern zu vermitteln. Wir pflegen eine sehr partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Versicherern.“

Worum es bei dem Start-up geht, sind Vermögenschaden-Haftpflichtversicherungen. Der Name FINLEX setzt sich zusammen aus dem Englischen Begriff „Financial Lines“, der diesen Bereich bezeichnet, und dem Zusatz „Experts“. Das „Lex“ zugleich auch „Recht“ bedeutet, sei ein Wortspiel, das den Gründern passend erschien, als sie sich vor zwei Jahren in die Selbstständigkeit wagten.

Denn in ihrer Arbeit geht es um Recht – um Abwehrkosten und Obliegenheiten, um Deckungsansprüche und die „Pflichten des ordentlichen Geschäftsmanns“. Denn worauf sich ihre „Boutique“ spezialisiert hat, sind Managerhaftpflicht- und sogenannte Cyber-Versicherungen.

In diesem Segment bieten die vier Gründer über 32 Branchen hinweg Industrieunternehmen spezialisierte Policen an – und das über eine Maklerplattform im Internet mittlerweile vollautomatisch. Ein Algorithmus sucht für den Makler, der seinem Kunden die passende Managerhaftpflicht vermitteln will, per Knopfdruck sechs mögliche Alternativen heraus, für Unternehmen bis zu 100 Millionen Euro Umsatz geht das innerhalb von Sekunden.

Dafür muss der Makler zuvor einige Risikomerkmale seines Kunden in der Plattform hinterlegen. Für größere Industriekunden geht der Service noch nicht vollautomatisch. Hier wollten die Versicherer oft einen Plausibilitätscheck haben, das dauere dann einige Tage. Die Bedingungen hat FINLEX zuvor mit den Versicherungsunternehmen ausgehandelt. Mit dabei sind Allianz, Gothaer, Axa und Zurich.

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel!

Quelle: Frankfurter Neue Presse

Literaturtipp für den CRO: „Manager in der Unternehmenskrise“

Wer als Krisenmanager interimistisch zum Geschäftsführer bzw. Vorstand bestellt oder beratend tätig wird, muss sich mit seinen rechtlichen Pflichten und Absicherungslösungen befassen, um persönliche Haftungsrisiken einzudämmen. Das neue Kompendium „Manager in der Unternehmenskrise“ von Reddig/Steinkühler/Theiselmann beleuchtet die wichtigsten Aspekte für CROs und ist ab sofort vorbestellbar.

Das Kompendium erscheint in der Board TV Edition und ist als Arbeitsmittel für den CRO strikt praxisbezogen gestaltet. Dies sind die Eckdaten:

– Inhalte: Gesellschafts- und insolvenzrechtliche Pflichten des CRO, anstellungsvertragliche Aspekte (u.a. Drittanstellungsverträge), Haftungsbeschränkungen, Dritthaftung, Managerhaftung und Versicherungsschutz in der Restrukturierung (u.a. Grundzüge der D&O-Versicherung, Anforderungen an den Versicherungsschutz aus Sicht des CROs/Persönliche CRO D&O-Versicherung, D&O-Versicherungsschutz für vermeintlich „krisenauslösendes“ Fehlverhalten des bisherigen Managements, typische Schadenfälle in der Krise)

– Umfang: ca. 40 Seiten
– Zahlreiche Grafiken: Illustrationen, Checklisten und Leitfragen
– Lieferung: als Druckexemplar und auf Wunsch zusätzlich als individualisierte Digitalversion
– Preis pro Exemplar: € 39,90 ‎inkl. MwSt. zzgl. € 5,00 Versandpauschale

>> Jetzt vorbestellen: crokompendium@board-tv.de

Absturz kurz nach Börsengang: Steilmann ist insolvent

Nur wenige Monate nach dem Sprung auf das Parkett ist der Modehersteller Steilmann insolvent. Die ebenfalls zu Steilmann gehörenden Adler-Modemärkte sind wohl nicht betroffen. Bislang erfolgversprechende Sanierungsverhandlungen hätten nach Ausführungen des Managements nicht zum Ziel geführt.
Die Steilmann-Aktie brach gleich in den ersten Handelsminuten ein und fiel bis auf EUR 0,29, ein Kursverlust von annähernd 90 Prozent. Auch die drei Steilmann-Anleihen dürften erheblich unter Druck geraten.

Erst im November 2015 unternahm Steilmann den Sprung auf das Parkett – mit einem Fehlstart. Steilmann wollte ursprünglich knapp EUR 100 Millionen über den Börsengang einnehmen, um das geplante Wachstum zu finanzieren und die Mehrheit an der börsennotierten Modekette Adler zu übernehmen. Doch die Nachfrage nach Steilmann-Aktien war schwach und das Unternehmen musste sich mit EUR 8,8 Millionen begnügen. Man zog die Börsennotiz dennoch durch, um sich „strategische Optionen“ offen zu halten.

Nun stellt sich die Frage, ob die finanzielle Situation nicht damals schon erkennbar gewesen ist. Mitte Dezember hatten sowohl Steilmann wie auch Adler ihre Prognosen kassiert und begründeten die Gewinnwarnungen mit den schwachen Geschäften infolge des milden Winterwetters.

Anmerkungen FINLEX:
Anleger werden sich aufgrund der jüngsten Entwicklungen und den verheerenden Kursverlusten sicherlich den damaligen Börsenprospekt auf mögliche Falschangaben genauer anschauen und entsprechende Ansprüche prüfen. Ob eigens für den IPO bzw. die Anleihen eine Prospekthaftungs-Versicherung abgeschlossen wurde, kann bei dem geringen Emissionsvolumen und den schlechten Vorzeichen nicht unterstellt werden. Ebenfalls wird aber der Insolvenzverwalter die damaligen Geschehnisse im Rahmen möglicher Schadenersatzansprüche gegen das Management untersuchen. Hoffentlich ist dieses durch eine ausreichende D&O-Versicherung abgesichert.

Freispruch für ehemalige Porsche-Vorstände

Der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter sind vom Stuttgarter Landgericht vom Vorwurf der Marktmanipulation freigesprochen worden. In dem Strafprozess ging es um die juristische Aufarbeitung der Übernahmeschlacht zwischen Porsche und Volkswagen 2008.

Die Staatsanwaltschaft hatte Wiedeking und Härter vorgeworfen, ihre Pläne verschleiert oder über diese nur mangelhaft informiert zu haben. „An den Vorwürfen der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ist nichts dran, nichts – weder vorne, noch hinten, noch in der Mitte“, sagte der Vorsitzende Richter Frank Maurer in seiner Urteilsbegründung.

Fraglich war, wann der Beschluss zur 75-Prozent-Übernahme von VW fiel – laut Staatsanwaltschaft schon Anfang März, laut Wiedeking und Härter erst Ende Oktober. Zwischen den beiden Zeitpunkten hatte Porsche in Pressemitteilungen und Statements mehrfach beteuert, VW nicht beherrschen zu wollen.

FBB-Debakel: Rechnungshof empfiehlt erneute Prüfung von Regressansprüchen

Obwohl bereits eine Entlastung durch die Gesellschafter des immer noch im Bau befindlichen Flughafens Berlin/Brandenburg (FBB) gegenüber den Aufsichtsräten damals im Oktober 2013 für die Geschäftsjahre 2011 und 2012 erfolgte, empfiehlt der brandenburgische Landesrechnungshof die erneute Prüfung von Regressansprüchen. Im Aufsichtsrat des FBB saßen seinerzeit unter anderen der damalige Berliner Regierungschef Klaus Wowereit und der damalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD).

Die GmbH kann Ansprüche gegen ihre Organmitglieder, die im Entlastungszeitraum entstanden sind und deren Existenz bei sorgfältiger Prüfung erkennbar war oder auf Grund privater Kenntnis aller Gesellschafter bekannt war, grundsätzlich nicht mehr geltend machen (BGH NJW 1986, 129). Die Erteilung der Entlastung ist allerdings rechtswidrig und damit anfechtbar, wenn das Organmitglied schuldhaft schwere Pflichtverletzungen, insbesondere schwerwiegende Satzungs- oder Gesetzesverstöße, begangen hat.

Der Landesrechnungshof stellt fest:
„Insgesamt stellte das Haftungsprüfungsverfahren [der damals beauftragten Rechtsanwaltskanzlei] in Konzeption, Durchführung und Ergebnis keine geeignete Grundlage für eine umfassende und objektive Beurteilung von Pflichtverletzungen der FBB-Organmitglieder dar. Zu zahlreich und bedeutend waren die formalen, aber auch inhaltlichen Mängel.“
Die Versäumnisse des Aufsichtsgremiums beim BER seien vielfältig und umfangreich. Dabei sei gerade beim BER mit seinen Problemen eine „verschärfte Sorgfaltspflicht“ zwingend erforderlich gewesen, so der Hof.
Stattdessen tagte das Gremium so wenig wie möglich – nur vier Mal im Jahr, das gesetzliche Minimum. Stattdessen kümmerte es sich im Grunde nicht um die Überwachung, um das Interne Kontrollsystem (IKS) und Risikomonitoring System (RMS), also um alles, wo Probleme hätten erkannt werden können.
„Es gibt deutliche Hinweise, dass der Aufsichtsrat, insbesondere dessen Finanz- und Prüfungsausschuss, seine gesetzliche Pflicht zur Überwachung der Wirksamkeit des IKS/RMS im Betrachtungszeitraum Juni 2010 bis Februar 2013 nicht mit der gebotenen Sorgfalt erfüllt hat.“ Und: „Das über Jahre hinweg problembehaftete IKS/RMS der FBB dürfte eine wesentliche Rolle für die Terminverschiebungen und Kostensteigerungen beim Bauvorhaben BER gewesen sein. Die diesbezügliche Überwachungstätigkeit des Aufsichtsrates (…) war nicht angemessen.“
„Nachfragen aus dem Aufsichtsrat waren unter dem Tagesordnungspunkt Risikomanagement nur selten protokolliert.“ Stattdessen habe sich der Aufsichtsrat „auf die einfache Entgegennahme von Berichten der Geschäftsführung beschränkt“. Oder: „Das mangelnde Problembewusstsein des Aufsichtsrates zeigte sich auch darin, dass dieser ausweislich der Sitzungsprotokolle auf Nachfragen und intensive Erörterungen mit den Abschlussprüfern verzichtete, obwohl aus deren Prüfberichten für 2010 und 2011 erhebliche Mängel im Risikomanagement der FBB erkennbar waren.“

Die Ergebnisse des Gutachtens sind bereits auch auf das Interesse der Staatsanwaltschaft Cottbus gestoßen. „Wir werden prüfen, ob es Anhaltspunkte für eine Straftat gibt“, sagte Oberstaatsanwalt Horst Nothbaum. Dabei könne es um beteiligte Firmen, die Flughafengesellschaft, aber auch Aufsichtsratsmitglieder gehen.
(https://www.rbb-online.de/politik/Flughafen-BER/BER-Aktuelles/akteure_aktuell/2016/02/rechnungshof-pruefbericht-ber-geheim-oeffentlich.html)

Anmerkungen FINLEX:
Auch bei diesem Haftungsfall zeigt sich das bei öffentlichen Unternehmen immanente Spannungsverhältnis zwischen politischen Interessen und gesellschaftsrechtlicher Verantwortung. Für „politische“ Mandatsträger bzw. Organmitglieder gelten dieselben Haftungs- und Enthaftungsnormen wie in der Privatwirtschaft. Zwar gibt es zu deren Schutz auf Bundes-, Landes- oder Kommunalebene oft auch Freistellungsansprüche gegen die entsendende Organisation, die greifen aber in der Regel nur bei fahrlässigem Handeln, z.B. § 48 BeamtenStG und nur dann, wenn die Haftung auch feststeht. Zu aller erst sollte sich die in Anspruch genommene Person jedoch adäquat gegenüber den geltend gemachten Ansprüchen verteidigen können. Dies gewährleistet für strafrechtliche Ermittlungen die Strafrechtsschutz-Versicherung und für zivilrechtliche Ansprüche die D&O-Versicherung, die zudem bei grob fahrlässig verursachten Schäden diese ausgleicht.

D&O-Selbstbehaltsversicherung

D&O-Selbstbehaltsversicherung

Das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung („VorstAG“) ist seit dem 05.08.2009 in Kraft. Hierbei wurde unter anderem der § 93 Abs. 2 AktG um folgenden Satz ergänzt:
„Schließt die Gesellschaft eine Versicherung zur Absicherung eines Vorstandsmitglieds gegen Risiken aus dessen beruflicher Tätigkeit für die Gesellschaft ab, ist ein Selbstbehalt von mindestens 10% des Schadens bis mindestens zur Höhe des Eineinhalbfachen der festen jährlichen Vergütung des Vorstandsmitglieds vorzusehen.“

Um diesen Selbstbehalt abzusichern, hat der Versicherungsmarkt entsprechende Lösungen entwickelt.

Was ist versichert?
Versichert ist in Höhe der vereinbarten Versicherungssumme der gesetzliche Pflichtselbstbehalt nach § 93 Abs. 2 Satz 3 AktG, den ein Vorstand einer deutschen Aktiengesellschaft zu tragen hat, wenn dieser bei einem berechtigten Schadenersatzanspruch der Gesellschaft Versicherungsschutz unter der D&O-Unternehmenspolice genießt. Die Höhe der Versicherungssumme sollte dem 1,5fachen der jährlichen Festvergütung des Vorstands entsprechen. Damit D&O-Selbstbehaltsversicherungen im Versicherungsfall auch funktionieren, sind diverse Kriterien zu berücksichtigen: Unter anderem ist eine regelmäßige Überprüfung der Versicherungssumme und entsprechende Anpassung, insbesondere bei Gehaltserhöhungen, unabdingbar.

Wer ist versichert?
Versichert ist ausschließlich der  jeweilige Vorstand der Aktiengesellschaft in dieser Funktion. Entspricht eine börsennotierte Aktiengesellschaft dem Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) vollständig, sollten auch die Aufsichtsräte den Abschluss eine solcher Police in Betracht ziehen.

Vorstände von Gesellschaften, auf die wegen gesetzlicher Verweisungen das deutsche Aktienrecht anwendbar ist (z.B. SE, VVaG, etc.) oder vom Selbstbehalt betroffene Organe „öffentlicher“ Unternehmen (z.B. Stadtwerke, Messebetriebe oder Flughäfen), die sich dem Public Corporate Governance Kodex (PCGK) unterworfen haben, sollten auch die Platzierung einer D&O-Selbstbehaltsversicherung erwägen.

Wer versichert?
Es liegt nahe, dass die D&O-Selbstbehaltspolice bei dem Versicherer eingekauft wird, bei dem auch die D&O-Konzernversicherung besteht. Nahezu jeder Versicherer, der D&O-Versicherungen anbietet, kann auch darauf abgestimmte D&O-Selbstbehaltsversicherungen zur Verfügung stellen. Bei der Ausgestaltung der Versicherung sind verschiedene Kriterien zu beachten, so dass es unter Umständen sogar Sinn machen kann, die D&O-Selbstbehaltspolice bei einem anderen Versicherer als der D&O-Konzernversicherung zu platzieren (auch wenn es dadurch „auf den ersten Blick“ komplizierter wird).

D&O-Unternehmensversicherung

D&O-Unternehmensversicherung

Eine D&O-Unternehmensversicherung ist heute fester Bestandteil des Versicherungsportfolios eines Unternehmens, sowohl im Mittelstand als auch bei Großunternehmen und Finanzdienstleistern.

Was ist versichert?
Wird einem Manager die Verletzung von Pflichten vorgeworfen und ein Anspruch auf Ersatz des durch die vorgeworfene Pflichtverletzung entstandenen Vermögensschadens gestellt (Versicherungsfall), ist es die Aufgabe des D&O-Versicherers die Haftungsfrage zu prüfen, unberechtigte Ansprüche gegen den Manager abzuwehren und – sollte die Abwehr nicht gelingen – den Schadenersatz für den Manager zu leisten.

Das Bezugsrecht im Versicherungsfall haben also die Manager selbst. Dem Unternehmen stehen im Versicherungsfall, obwohl es in vielen Fällen selbst der Anspruchsteller ist und die Prämie bezahlt, keine Rechte zu (Ausnahme: Vereinzelt beinhalten D&O-Unternehmensversicherungen Deckungsbestandteile, die auch dem Unternehmen selber als sog. Entity-Deckung zur Verfügung stehen können). Die Kosten des Unternehmens für die rechtliche Verfolgung von Managern sind vom Unternehmen selbst zu tragen und auch nicht anderweitig versicherbar.

Ergänzend zu diesen typischen Funktionen einer Haftpflichtversicherung gibt es in aller Regel weitere Deckungsbestandteile, die den Manager in bestimmten Situationen schützen können (z.B. Übernahme der Rechtskosten bei vorzeitiger Beendigung des Anstellungsvertrages im Vorfeld eines Schadenersatzanspruchs, Strafrechtsschutz, Kosten zur Minderung von Reputationsschäden, etc.).

Wer ist versichert?
In den allermeisten Fällen schließt das Unternehmen die Versicherung zugunsten aller Manager pauschal (ohne namentliche Nennung) ab und bezahlt die Versicherungsprämie als steuerlich abzugsfähige Betriebsausgabe (D&O-Unternehmenspolice). Üblicherweise sind die Manager aller Tochtergesellschaften weltweit versichert.

Manager und damit „versicherte Personen“ im Rahmen einer D&O-Versicherung sind typischerweise:

  • Mitglieder von Leitungsorganen (Vorstand, Geschäftsführung, etc.)
  • Mitglieder von Kontrollorganen (Aufsichtsrat, Beirat, etc.)
  • Weitere Personenkreise, die eine leitende Funktion bzw. besondere Stellung im Unternehmen haben (Generalbevollmächtigte, Prokuristen, leitende Angestellte, Compliance Officer, etc.)

In Einzelfällen kann eine D&O-Unternehmenspolice durch „D&O-Nebenprodukte“ ergänzt werden, z.B. eine separate D&O-Unternehmenspolice zugunsten ausgeschiedener Manager oder auch (ausschließlich) zugunsten des Aufsichtsrats, der Manager einer Konzernmuttergesellschaft, etc.

Eine weitere Ausprägung ist die sog. PTL- oder auch Fiduciary-Versicherung. Sie bietet als kombinierte D&O- und E&O-Versicherung speziellen Versicherungsschutz für das rechtlich selbständige Pensionssondervermögen und die handelnden Personen, die mit der Verwaltung und Kontrolle des Pensionssondervermögens des Unternehmens betraut sind.

Wer versichert?

In Deutschland gibt es mittlerweile eine hohe Anzahl von D&O-Versicherern, derzeit ca. 35. Da Unternehmen aufgrund ihrer globalen Aktivitäten und in Zeiten von Compliance zunehmend auch internationale Versicherungsprogramme (sog. Master- und Lokalpolicen) umsetzen sollten, reduziert sich die Anzahl der möglichen „Führungsversicherer“ realistischerweise auf unter zehn.

D&O-Individualversicherung

D&O-Individualversicherung

In bestimmten Situationen kann (oder sollte) ein Manager den Versicherungsschutz, den er (in der Regel) über eine D&O-Unternehmenspolice genießt, durch persönliche „D&O-Nebenprodukte“ ergänzen, z.B.:

  • D&O-Selbstbehaltsversicherung / D&O-SB-Versicherung
  • Persönliche D&O-Versicherung / D&O-Individualpolice
  • Persönliche  CRO D&O-Versicherung für Interimsmanager von Unternehmen in Krisensituationen

Die Versicherungsprämien einer D&O-Individualversicherung sind in aller Regel vom Manager selbst zu bezahlen. Sie können aber als Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden.

Prospekthaftungs-Versicherung (Public Offering of Securities Insurance – POSI)

Prospekthaftungs-Versicherung (Public Offering of Securities Insurance – POSI)

Die Bezeichnung „POSI“ (Public Offering of Securities Insurance) steht im Wesentlichen für das Absicherungskonzept gegen das Prospekthaftungsrisiko bei einer Kapitalmarktemission. Bei der öffentlichen Platzierung von Wertpapieren ist der Emittent gesetzlich verpflichtet, ein Wertpapierprospekt zu veröffentlichen, welches umfassende Informationen über die Chancen und Risiken des Wertpapiers enthält. Enthalten Wertpapierprospekte dann möglicherweise unrichtige oder unvollständige Risikoangaben, so können den Anlegern finanzielle Verluste wiederfahren. Schadenersatzansprüche dieser Anleger können die Folge sein. Die POSI ist eine Haftpflichtversicherung, d.h. sie bietet entsprechenden Kostenschutz für die Prüfung der Haftpflichtfrage und der Abwehr unberechtigter Ansprüche und befriedigt berechtigte Ansprüche.

Dabei ist der erstmalige „Gang aufs Parkett“ (Börsengang/IPO – Initial Public Offering) für den Herausgeber der Wertpapiere (Emittent) besonders risikoträchtig, da er sich hier auf einen bisher unbekannten Weg begibt. Nicht nur der IPO sondern auch andere prospektpflichtige Kapitalmarktmaßnahmen, insbesondere SPOs – Secondary Public Offerings, Kapitalerhöhungen oder Fremdkapitalemissionen (Anleihen) unterliegen dem Prospekthaftungsrisiko.

Aufgrund der aktuellen Rechtsprechung (Stichwort: Telekom/KfW-Urteil) und einer verschärften Gesetzeslage, insbesondere eine bis zu 10 Jahren dauernde Verjährungsfrist, werden vermehrt höhere Versicherungssummen von den Emittenten eingekauft. Branchenkenner gehen davon aus, dass dieser Trend auch weiter anhalten wird. Der Beratungsbedarf bei diesen Absicherungsprodukten ist sehr hoch.

Was ist versichert?
Die POSI-Versicherung gewährt als Spezialdeckung Schutz gegen Haftungsrisiken im Zusammenhang mit einer Kapitalmarktmaßnahme. Andere Versicherungen des Unternehmens, welches die Wertpapiere emittiert, insbesondere die D&O-Versicherung bieten keinen hinreichenden Deckungsschutz und können zudem auch nicht die weitreichenden Interessen der Beteiligten (z.B. Eigenschaden des Emittenten, Ansprüche von Banken) mit absichern.
Dementsprechend sind folgende Deckungsbausteine mit versicherbar:

  • Roadshows und sonstige Äußerungen
  • Mitversicherung von im „Underwriting Agreement“ freigestellten Konsortialbanken
  • Versicherungsschutz für veräußernde Aktionäre („Selling Shareholder“)

Wer ist versichert?

  • die Gesellschaft als Emittentin
  • Organmitglieder und Arbeitnehmer
  • ggf. Dritte

Wer versichert?
Im Gegensatz zum mittlerweile ganzjährig hochaktiven Anleihen-Emissionsmarkt ist der Markt für Eigenkapital-Emissionen (IPO, SPO, etc.) erst seit Ende 2012 wieder richtig aktiv, wobei der Markt für die sogenannten Minibonds (Anleihen von Mittelstandsunternehmen) zur Zeit zum Erliegen gekommen ist. Die momentane Niedrigzinsphase der Notenbanken lässt jedoch diese alternative Finanzierung über den Kapitalmarkt neben dem regulären Bankdarlehen für Unternehmen weiterhin attraktiv erscheinen.
In Deutschland sind die führenden D&O-Versicherer auch zugleich die POSI-Versicherer. Maximale im deutschen Markt platzierbare Kapazität beträgt zur Zeit ca. EUR 450 Mio. Versicherungssumme.

Managerhaftung

Managerhaftung

Führungskräfte haben eine große Verantwortung gegenüber ihrem Unternehmen, Gesellschaftern, Banken und anderen Dritten („Stakeholdern“). Kommen sie dieser Verantwortung nicht (ausreichend) nach und es entsteht dadurch ein finanzieller Schaden, dann müssen sie persönlich Schadenersatz leisten („Managerhaftung“). Stetige Haftungsverschärfungen und eine aggressive Anspruchsmentalität führen dazu, dass z.B. in Deutschland allein gegen GmbH-Geschäftsführer jährlich über mehrere tausend Schadenersatzprozesse angestrengt werden.

Unabhängig (oder auch im Vorfeld) einer zivilrechtlichen Inanspruchnahme müssen sich Manager mit strafrechtlicher Verfolgung bzw. entsprechenden Ermittlungen auseinandersetzen, z.B. beim Vorwurf der Untreue.

Directors & Officers Versicherung (D&O)

Directors & Officers Versicherung (D&O)

Die zivilrechtlichen Haftungsrisiken der Manager können mit einer Directors & Officers-Versicherung (D&O-Versicherung, auch Managerhaftpflichtversicherung oder Vermögensschadenhaftpflichtversicherung für Unternehmensleiter) abgesichert werden. Sie ist mittlerweile zu einer Art „Pflichtversicherung“ für jeden Manager geworden. Hierbei haben sich im Laufe der letzten Jahre verschiedene Ausprägungen von D&O-Versicherungen im Versicherungsmarkt etabliert.